
In Wien „geht man in’s Hotel“.
Aber warum gehe ich ins Hotel? Wegen der Torte? Die könnte ich mir schicken lassen. Wegen des Tafelspitz. Ja, schon eher. Wegen der gemütlichen Roten Bar? Sicher sogar. Wegen der Blauen Bar, der intimsten kitschigsten Bar Wiens? Ob Sie’s glauben oder nicht: Ja, sicher auch!
Wenn ich in Wien lande, dann gehe ich nach Hause. Ich habe ja eines. Aber dann überkommt mich ein Kribbeln, oder die Kinder sagen: Gehen wir ins Sacher. Wir Wiener gehen ins Sacher, um zu essen. Jetzt gehe ich auch ins Spa und lasse mich massieren. Aber immer gehe ich ins Sacher wegen der Leut’. Weil ich sie kenne. Weil sie seit Jahrzehnten da sind. Weil sie das Hotel führen und erhalten. Weil sie mir mein Essen machen und ihre Sorgen erzählen. Weil sie mir etwas zum Trinken bringen und ich beobachte, wie sie größer werden oder älter, wie sie auch schon weiße Haare bekommen, oder einfach weil wir alle miteinander durch die Zeit gehen und uns nach Jahrzehnten noch grüßen und gern’ haben.
Jetzt aber darf ich Ihnen, verehrter Leser, die Geschichte des Sacher erzählen, und dazu werde ich also doch „in’s Hotel“ ziehen. Hier stoße ich auf die Geschichte von waschechten Entrepreneurs. Da ist einmal die aufregende Überlieferung rund um die Erfindung der berühmtesten Torte der Welt. Dann die der Begründung eines legendären Restaurantbetriebes und schließlich das Wachsen eines Grand Hotels. Wir haben alle Archive aufgesucht und uns in 15-jähriger Recherche schlau gemacht.
Wir sprechen von nahezu 200 Jahren Weltgeschichte, die seit der Geburt des Begründers der Dynastie, Franz Sacher, vergangen sind. Dieser Mann, ein Koch der Größe eines August Escoffier (der 30 Jahre jünger war) hatte große Gerichte kreiert und so nebenbei die Torte geschaffen. Sein Sohn Eduard – die nächste Generation – eröffnete das Hotel und machte ihm auch kulinarisch freundlich Konkurrenz. Zu Eduard ging man, wenn man „zum“ Sacher ging, zu seiner Frau und späteren Witwe Anna kam man „zur“ Frau Sacher, heute, da Hotel und Restaurant am Gipfel der internationalen Hotellerie angelangt sind, geht man „ins“ Sacher.
Sie sehen: immer ging man zu den Leuten im Sacher! Deshalb mag ich die Werbekampagne so gerne, die auf diesen Seiten die Mitarbeiter im Sacher zeigt. Wir, liebe Leser, ziehen nun in die Vergangenheit des Sacher. Folgen Sie mir bitte in die nächsten Seiten, und ich werde Ihnen alles erzählen. Also, zumindest das, was ich so herausgefunden habe.
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