
Die ersten Kapitel (bzw. eigentlich das Vorwort) der beiden Bücher gehen so:
FALKENSTEIN GRAND
Der Sonntagmorgen ist dem Feuilleton gewidmet. Im Winter tanzen die Flammen im Kamin. Gemütliche Fauteuilles locken nach dem ausgiebigen Frühstück. Mit einem Stoß lässig zusammengeschlagener Zeitungen nähert man sich, intellektuell gerüstet.
Die Zeitung wird entfaltet. Noch einmal schweift der Blick über ihren Rand. Hier saßen sie, des Kaisers Offiziere, zur Genesung und zur Wiedergewinnung ihrer Kräfte. Falkenstein wurde 1909 von Kaiser Wilhelm persönlich als Offizierheim eröffnet. Das war natürlich eine Aufregung. Der Kaiser kommt! Stellen Sie sich vor, wie die Herzen der Blumenmädchen höher geschlagen hatten. Die weißen Kleider zurechtgezupft, das Haar nochmals gekämmt, sind die Fingernägel auch sauber?
Legen wir das Feuilleton doch noch für einen Moment zur Seite. Ich würde Ihnen gerne diese Geschichte erzählen. Begleiten Sie mich auf einen kurzen Abstecher in das Jahr 1909. Ich bringe Sie auch wieder zurück.
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VILLA ROTHSCHILD:
Der ICE aus Wien fährt auf die Minute pünktlich in Frankfurt ein. Der Page Bastian wartet auf dem Bahnsteig. Als er den Cayenne startet, hüpfen 380 Pferde vor Aufregung unter der Motorhaube. Sie tragen uns in 17 Minuten den Berg hinauf nach Königstein. Die Nacht ist klar: „An solchen Abenden hat sich der Baron Rothschild die Börsenkurse per Lichtsignal hier rauf morsen lassen,“ plaudert Bastian aus dem Nähkästchen. Dann versorgt er mein Gepäck.
Der erste Morgen: Königstein. Welch ein Name für eine Burg. Mit sentimentalem Auge suchte ich den Horizont nach jener großartigen Festung ab, die den kindlichen Teil meines Herzens höher hat schlagen lassen. Doch wo war sie, die mir vor-gegoogelte stolze Feste? In Trümmern stand sie, als Rumpf einer Wehranlage, von Freund und Feind zerstört. Hoch über Königstein, der mittelalterlichen Gemeinde, thronen ihre letzten Reste.
Der Sage nach soll schon König Chlodwig I. um 500 die Burg Königstein errichtet haben. Erwähnt wurde sie freilich erst 1215, im Besitz der Herren von Nürings, gefolgt von der Familie Hagen-Münzenberg und 1255 die der Falkensteins, gefolgt von den Eppsteinern, die sich ab 1505 „Grafen von Königstein“ nennen durften. 1581 kam Königstein an das Erzbistum Mainz. 1803 wurde es dem Fürstentum Nassau-Usingen zugeschlagen und ging 1806 an das Herzogtum Nassau. Die Burg wurde von den Franzosen und den Preußen gleichermaßen zerstört.
Ab 1850 verstand es Königstein, sich auf den neu aufkommenden „Tourismus“ einzustellen. Es galt fortan – übrigens mit einem Schlag weltweit – als sittsam, das Geld anzunehmen, das einem die Fremden freiwillig in den Ort brachten. So begann das Werben um die Gunst der Fremden. 1851 wurde eine Kaltwasserheilanstalt errichtet, was zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führte. Die „Fremden“ kamen zunächst aus der Umgebung, aus Wiesbaden oder aus Frankfurt. Und sie entdeckten die Vorzüge des schönen Flecken im Taunus. 1866 wurde Königstein mit der Annexion Nassaus preußisch. 1935 wurde die Stadt zum „Heilklimatischen Kurort“ erklärt und nach dem II. Weltkrieg Teil des neugegründeten Bundeslands Hessen.
Um 1880 wurden auch die Rothschilds auf diesen idyllischen Ort aufmerksam. Mit dem unverfälschten Weitblick des Kolonialisierenden orteten sie den vielleicht schönsten Platz der Gemeinde, genau vor den ehemaligen Stadttoren. Wo der Wald vom Berg von Falkenstein auf die ersten Wiesen von Königstein traf. Dort, wo Kühe grasten und Felder sich erstreckten und sich ein leichter Hügel über eine der Schultern des Feldbergausläufers legte. Nach hinten senkte er sich Richtung Königstein, nach vorne aber gab er den Blick frei auf Kronberg und, in weiterer Ferne, auf die Metropole Frankfurt, wo in den engen Gassen ein reges Treiben herrschte. Oft standen dichte Wolken aus den aberhunderten Schornsteinen der Mainmetropole über der Stadt, während hier oben die Sicht klar war und die Luft rein.
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