
Sommerfrische
Wer denkt nicht an Zweig, Schnitzler, Thomas Mann, an die Salons der Grand Hotels der Alpen, an tannenumwachsene Waldlichtungen und Weidenäste, die in klaren Bergseen spielen? Der Sprung ins Wasser vom 3-Meter Brett. Der Wind im Haar, das Segel, das bei der Wende knatternd in den Wind schlägt. An Spaziergänge auf Seepromenaden, scheue Blicke unter gesenkten Sonnenschirmen, das Fräulein, der Herr. Der erste Bikini, der Geruch von Sonnencreme, ein Sonnenbrand. Ein flüchtiger Kuss, den man für Tage spürt. Der Hauch eines Parfums auf einem Spitzentaschentuch. Die Schriftsteller sogen die Atmosphäre auf wie ein Schwamm kostbares Nass, die Maler waren berauscht vom „anderen“ Licht, Komponisten lauschten den Tönen der Natur. Aus Realisten wurden Schwärmer, Schüchterne fassten Mut und der Stubenhocker marschierte in die Natur.
Die Schauplätze dieser Handlung variieren geringfügig. Sie sind an den Seen der Alpen, am Strand, in den Bergdörfern, dem Salzkammergut, an der Adria. Sie sind die Zentren der urlaubenden Welt von Gestern und die Hotspots der Traveller von heute. Aus dem Fünfuhrtee wurde längst das Vorglühen, die schummerige Tanzbar von einst ist die krachende Fete. Von Abbazia bis Pörtschach, von Rimini und Porto Rosz bis Altaussee verbreitet sich die Sommerfrische als ein Lebensgefühl, das heute schon längst nicht mehr nur im Sommer greift, sondern uns 365 Tage im Jahr jene knisternde Ruhe finden lässt, die wahrer Entspannung vorauseilt.
Man trifft sich.
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